des Landesverbands evangelischer Posaunenchöre in der Pfalz

Der Landesverband evangelischer Posaunenchöre in der Pfalz hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit dem Thema „Sexualisierte Gewalt in der Kinder- und Jugendarbeit“ beschäftigt. Anlass war das 2012 in Kraft getretene Bundeskinderschutzgesetz. Dem Landesverband war es wichtig, nicht nur von den ehrenamtlichen Mitarbeitenden erweiterte polizeiliche Führungszeugnisse zu verlangen, sondern die Mitarbeitende auch für den Bereich Kinder- und Jugendschutz zu sensibilisieren.

So fand schon eine Fortbildung in Kooperation mit der Polizeipuppenbühne der Polizeidirektion Rheinpfalz statt. Daraus wurde ein Ehrenkodex entwickelt, dem alle Mitarbeitende der Freizeitenarbeit zustimmen müssen. Darin verpflichten sich die Mitarbeitenden alles ihnen mögliche dafür zu tun, dass in der Freizeitenarbeit keine Grenzverletzungen, kein sexueller Missbrauch und keine sexualisierte Gewalt möglich werden.

In einem weiteren Schritt haben sich die Mitarbeitenden den Freizeitablauf im Hinblick auf den Ehrenkodex angeschaut und Situationen und Programmpunkte offengelegt, bei denen erhöhte Aufmerksamkeit geboten ist.

Am 19. Januar 2019 fand in Landau ein Kinder- und Jugendschutztag statt, zu dem alle Freizeitmitarbeitenden, Chorleiter*innen und Jungbläserausbilder*innen eingeladen waren.

Zusammen mit Ltd. Rechtsdirektorin i. K. Bettina Wilhelm (Ansprechperson für Missbrauchsfälle in der Evangelischen Kirche der Pfalz) und Jutta Diehl vom Kinderschutzdienst Mittelhaardt ging es in einem theoretischen Teil darum, den Begriff sexualisierte Gewalt zu klären. Dabei wurde in einem kurzen Exkurs ins Strafgesetzbuch die Begrifflichkeit aus der Sicht des Strafrechts erläutert.

Nach der Mittagspause wurde in Kleingruppen an fiktiven Praxisbeispielen gearbeitet. Die Mitarbeitenden sollten zum einen die vorgegebenen Situationen anhand eines Ampelmodels bewerten:

• Grün: das Verhalten/die Situation ist unbedenklich

• Gelb: über das Verhalten/die Situation muss zumindest geredet werden und Regeln vereinbart werden

• Rot: das Verhalten/die Situation ist in unserer Arbeit untragbar

In einem zweiten Schritt wurde geprüft, wie in der Posaunenarbeit präventiv mit dem Thema umgegangen werden kann. D.h. es wurden an den fiktiven Freizeitsituationen Verhaltensmuster erarbeitet, wie Mitarbeitende Kinder und Jugendliche vor Sexualisierter Gewalt schützen können.

Unabdingbar erschien dabei, dass es für „gelbe“ und „rote“ Situationen schriftlich fixierte Verhaltensregeln geben muss, die allen Mitarbeitenden bekannt sind.

Wichtig erschien dabei immer die Kultur des Hinschauens und der offenen Aussprache im Mitarbeitenden-Team, bzw. mit den beauftragten Vertrauenspersonen im Landesverband.

Bettina Wilhelm legte Wert darauf, dass es nicht darum gehe, alle Mitarbeitende unter Generalverdacht des sexuellen Missbrauchs zu stellen. Vielmehr könnten sich Mitarbeitende durch überlegtes Handeln auch selbst schützen, wenn sie ihr eigenes Handeln immer wieder hinterfragen und kritisch reflektieren wie es auf Außenstehende wirkt.

Die Verantwortlichen in der pfälzischen Posaunenarbeit waren sich nach diesem Tag einig, dass das Thema Sexualisierte Gewalt mit diesem Tag nicht abgeschlossen ist. Die Sensibilisierung der Mitarbeitenden muss in regelmäßigen Abständen immer wieder neu durchgeführt werden.

Matthias Vorstoffel
Mitglied im Posaunenrat, Jugendreferent
staatl. anerkannter Dipl. Sozialpädagoge (FH)